Seniorenschulung 2

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Wenn der Opa zum Schüler wird

Mädchen und Jungen bringen Senioren den Umgang
mit dem Computer bei

 Bad Salzdetfurth (am). "Wieso hat das bei mir gerade nicht hingehauen?", fragt Reinhard Bartsch seinen Lehrer im Computerkursus in der Grundschule am Papenberg. Der Lehrer erklärt, was Bartsch gerade versäumt hat. "Aaaach so", sagt Bartsch. Weiter geht´s mit einem etwas anderen Unterricht, denn hier sind die Schüler ein ganzes Stück älter als die Lehrer. Bartsch und seinen Lehrer Ole-Michel Schmidt trennen immerhin 52 Jahre. Sie sind Teilnehmer einer Arbeitsgemeinschaft (AG), die von Lehrerin Heike Schiller geleitet wird.
Im ersten Stock der Grundschule am Papenberg treffen sich mittwochs um 12.55 Uhr die Teilnehmer der Computer-AG. Am Anfang des Schuljahres waren die Jungen und Mädchen mit ihrer Lehrerin Heike Schiller unter sich. Sie lernten, wie ein Word-Dokument angelegt wird, wie man Internetseiten kopiert, Fotos bearbeitet. Doch damit nicht genug. Heike Schiller erklärte den sieben Kindern auch, was einen guten Lehrer ausmacht: "Man darf nicht so schnell sprechen und muss geduldig sein", sagt Schiller. Diese Lektion haben ihre Schützlinge offenbar gut verinnerlicht. Denn am letzten Tag der AG sind diejenigen, die von den Schülern lernen durften, ganz begeistert: die Senioren.
Die Grundschule beteiligte sich erstmals am Projekt "Schüler schulen Senioren ? Ran an den Computer". "Die Kinder sollten zunächst ihre Großeltern ansprechen", erklärt die Lehrerin. Für verbliebene freie
Plätze war die AG allerdings offen. Da ließ sich Eberhard Schulz nicht lange bitten. Der 70-Jährige belegte schon einmal einen VHS-Kursus, doch da war ihm das Tempo zu flott. Nils Herzberg (10) hat sich auf Herrn Schulz gut eingestellt, erklärt ganz geduldig. "Der Nils ist ein sehr ruhiger Vertreter, der sein Wissen sehr gut vermitteln kann", lobt Schulz. Das Kompliment nimmt der Junge mit ernster Miene zur Kenntnis. Wird denn nebenbei auch mal ein privates Wort gesprochen? "Na klar", sagt Schulz. Sie tauschten sich über Nils Begeisterung für Sportwagen aus. "Wenn ich einen hätte, würde ich Nils zu einer Fahrt einladen", sagt Schulz. Reinhard Bartsch (62) und Ole-Michel Schmidt (10) kennen sich schon lange.
Bartsch ist der Ersatzopa. Ehrensache, dass er mit in die Schule gekommen ist. Aber auch praktisch, denn Bartsch hat sich gerade einen Rechner angeschafft und kann ihn eigentlich nicht bedienen. "Aber man darf sich Neuem ja nicht verschließen", sagt der Mann. Bisher war er immer derjenige, der Ole-Michel etwas beibringt. So manche Stunde bastelten die beiden schon zusammen, zimmerten sogar Vogelhäuschen. Jetzt aber ist der Junge der Lehrer. "Eigentlich macht es sehr viel Spaß, aber es ist auch ein bisschen komisch", gesteht Ole-Michel.
Ganz neue Seiten entdeckt unterdessen Irene Zielinski (55) an ihrer Enkeltochter Sara Janietz (9): "Ich wusste nicht, dass sie so toll erklären kann", schwärmt die Oma. Offenbar wusste sie auch nicht, wie streng
die junge Dame sein kann. Denn daheim gab Sara keine Tipps für die nächste Unterrichtseinheit. Da half kein Bitten. "Ich habe mir gerade im Dezember einen Computer gekauft und kenne nur den An- und Ausknopf", stöhnt Irene Zielinski. Nach diesem Kursus, das verspricht Sara, bekommt die Oma auch zuhause Nachhilfe. Die 77-jährige Ingeborg Siedentopf (übrigens dieMutter der Lehrerin Schiller) freut sich über den Kontakt zu den Grundschülern. Und so ganz nebenbei lernt sie auch noch den Umgang mit der Computermaus. Die Gruppe ist so in die Arbeit vertieft, dass zumindest Lehrerin Schiller die Uhr nicht aus dem Auge verlieren darf, sonst liefe die AG noch bis in den späten Nachmittag. Nach der letzten Stunde bekommen die erwachsenen Schüler eine Urkunde mit Foto und Unterschrift von ihrem Lehrer. "Und wenn Sie mögen, kommen Sie wieder. Wir sind jeden Mittwoch hier", lädt Heike Schiller ein. "Darauf können Sie sich verlassen", kündigt Eberhard Schulz fröhlich an.

Im nächsten Schuljahr wird es wieder eine Computer AG geben. Interessierte Senioren können sich schon jetzt unter 0 50 63 / 42 48 anmelden.

(Quelle HAZ vom 27.01.2011)